Der Urlaub 1

Der Urlaub 1

16. Juni 2013

Tag 1 – Sonntag 1:00 Uhr (Prolog)

Mein Wecker klingelte um 1:00 Uhr nachts.

Scheiß Zeit, aber geiler Anlass.

Denn auf meinen besten Freund Tom und mich wartete eine Woche Malle. Und wir hatten vor, es uns so richtig gut gehen zu lassen.

Da konnte mir nicht mal ein Wecker um 1 Uhr die Laune verderben.

Wir hatten natürlich mit dem Gedanken gespielt durchzumachen, aber wir wollten unseren ersten Urlaubstag nicht nur verpennen. Deswegen hatten wir direkt nach dem Abendessen dem einen oder anderen Schlummertrunk genommen und waren dann auch früher oder später eingeschlafen.
Ich war froh, dass ich nicht selbst fahren musste. Es war zum Glück kein Problem um diese Uhrzeit einen Kommilitonen zu finden, der noch wach war und uns zum Flughafen brachte.

Tom und ich hatten beide eine harte Zeit hinter uns und uns den Urlaub redlich verdient.

Er hatte erst vor ein paar Tagen seine Meisterprüfung zum KFZ Meister erfolgreich abgeschlossen.

Ich hatte schon vor ein paar Wochen den Master in Wirtschaftsinformatik gemacht.

Um unseren Erfolg zu feiern und vor dem nächsten Kapitel in unserem Leben nochmal zusammen Spaß zu haben, hatten wir schon frühzeitig die Zeit und das Geld für diesen Urlaub aufgespart.

Ehrlich gesagt hatte Tom die Rechnung bis jetzt bezahlt, aber ich war fest entschlossen von meinem ersten Gehalt alles zurückzuzahlen. Schließlich hatte ich schon einen guten Job in Aussicht und mein Einstiegsgehalt konnte sich sehen lassen. Tom machte mir in dieser Sache keinen Druck. Erstens waren wir seit der Oberstufe richtig gute Freunde und zweitens fiel es ihm nicht schwer das Geld vorzustrecken. Er war schon immer reich.

Seinem Vater gehörte ein großes Fiat und Alfa Romeo Autohaus in einem reichen Bonner Vorort. Das Geschäft lief gut und die Waages wohnten in einer kleinen Villa mit Pool und allem Schnickschnack.

Nach dem Abi und der Zeit beim Bund hatte Tom die Lehre bei seinem Vater gemacht und nach seiner Gesellenprüfung bald mit der Meisterschule angefangen. Nun war er fertig und bereit für größere Aufgaben. Der Plan war, dass er nach und nach das Autohaus übernehmen würde und so sein Vater Stück für Stück in Rente gehen konnte.

Vielleicht hätte das manche Söhne zur Verzweiflung gebracht, aber Tom verstand sich gut mit seinem Vater und es machte ihm wirklich Spaß die Verantwortung zu übernehmen.

Tom war auf dem Gymnasium in meiner Parallelklasse. Anfangs kannten wir uns kaum.

In der Mittelstufe ist er mir dann als reicher und etwas arroganter Typ aufgefallen. In Wirklichkeit war er nicht so eingebildet wie er wirkte. Er war einfach nur stolz auf den Reichtum seiner Familie und ließ andere gerne daran teilhaben.

Ab der Oberstufe waren wir zusammen in einigen Kursen und wir lernten uns besser kennen. Ich war dann auch immer öfter auf seinen berühmten Sommerpartys eingeladen, die er im Garten mit Pool seiner Eltern feierte.

Wir wurden langsam gute Kumpels, aber erst ein eigentlich recht peinliches Erlebnis war der Startschuss für unsere tiefe Freundschaft.

In der elften Klasse war ich mit Steffi zusammen. Ein süßes Gör, hübsch, aber etwas verklemmt. Nach ein paar Monaten in denen wir mehr oder weniger nur harmlos rumgemacht hatten kam es zu dem Punkt, an dem ich ehrlich über meine Erwartungen mit ihr redete.

Ich halte das bis heute noch so, dass ich einer Frau lieber ehrlich sage, was ich mir wünsche und auf was ich stehe, als Zeit zu vergeuden, indem ich mit ihr ein Missverständnis lebe. Vielleicht bin ich auch deswegen noch Single.

Steffi konnte meine – im Rückblick gesehen damals noch harmlosen – Ansichten über Fesselspiele und Abenteuersex leider überhaupt nicht teilen und sie machte mit mir Schluss. Traurig, aber besser so.

Eigentlich nichts Besonderes im Leben eines 17 jährigen.

Das Besondere an dieser Trennung, war der letzte Satz, den Steffi mir quasi als K.O. Schlag mitgab. Sie war ein paar Monate zuvor mit Tom zusammen gewesen. Auch das ist nicht ungewöhnlich. Aber als ich ihr meine Neigung und meine Wünsche offenbarte sagte sie den Satz: „Wieso gerade ich immer nur an kranke Spinner? Ich bin doch ein normales Mädchen und ich bekomme nur Perverslinge als Freunde. Bei Tom war das genauso, er wollte auch so einen Schweinekram mit mir machen. Weißt du was, Ben? Tom und du, ihr könntet wirklich beste Freunde sein!“

Eigentlich wollte Steffi damit nur ihre Wut an mir auslassen und mich beschimpfen, was sie im ersten Moment auch schaffte. Aber ihr letzter Satz blieb in mir hängen und bewegte mich.

Ich beschloss Tom darauf anzusprechen, traute mich aber nicht.

Erst nach einer seiner feucht-fröhlichen Poolpartys, fand ich den Mut. Alle waren tief in der Nacht entweder nach Hause gegangen, oder schon irgendwo eingeschlafen.

Wir hatten beide genug getrunken, um offen zu sein, waren aber noch nüchtern genug, um ernsthaft zu reden. Und so entwickelte sich ein „Expertengespräch“ unter zwei angehenden Männern, die sich innerlich das gleiche wünschten. Wir träumten gemeinsam davon, wie es wäre eine Freundin zu haben, die bei unseren Fantasien mitspielte und steigerten uns in einen jugendlichen Traum einmal eine eigene Sklavin zu besitzen.

Seit dieser Zeit verbindet uns etwas sehr tiefes und auf dieser Basis ist eine Freundschaft gewachsen. Die Beste, die ich je hatte.

Da wir beide unsere Frau und Sklavin fürs Leben noch nicht gefunden hatten und auch mit weniger nicht zufrieden waren, lebten wir fröhlich unser Singleleben. Hin und wieder mal ein paar One-Night-Stands oder eine kleine Affäre, aber nie etwas Festes. Dafür war einfach noch keine gut genug.

Und so flogen wir an diesem Morgen auch den Urlaub. Wir wollten unsere Freundschaft genießen, uns für unsere beruflichen Leistungen belohnen und vor allem jede Menge Spaß haben.

Tag 1 – Sonntag 6:30 Uhr

Es fing wirklich gut an. Toms Vater hatte vor unserer Abreise noch geheimnisvoll verkündet, dass er uns beiden ein Überraschungsgeschenk machen würde, für unsere Urlaubswoche. Er wäre wirklich stolz auf seinen Sohn und wolle uns eine Freude machen.

Wir wussten damit nichts anzufangen, bis wir in der Ankunftshalle des Flughafens einen Typ stehen sahen, der ein Sc***d mit „Waage / Kron“ in die Luft hielt.

Er begrüßte uns als Mitarbeiter einer Mietwagenfirma. Wir hatten über die Beziehungen von Toms Vater einen günstigen kleinen Fiat gemietet. Dachten wir zumindest.

Toms Vater hatte die Buchung storniert und uns was Besonderes Rausgesucht. Als wir von dem Angestellten auf den Parkplatz geführt wurden, konnten wir es nicht glauben, vor welchem Auto er stehenblieb und uns den Schlüssel unter die Nase hielt. Es war ein knallgelber Ford Mustang Kabrio mit schwarzen Rennstreifen. Ein Männertraum in Metall und Leder.

Toms Alter hatte es einfach drauf. Er wusste genau, von was zwei junge Kerle träumten.

Wir warfen unsere Koffer auf den Rücksitz und starteten mit einem unglaublichen Motorröhren in unsere Woche.

Der Spaß hatte begonnen.

Tag 1 – Sonntag 8:30 Uhr

Leider wurde unsere Euphorie im Hotel etwas gebremst.

Natürlich hatten wir nicht erwartet lauter Traumfrauen über die Gänge wandeln zu sehen. Uns war schon klar, dass die richtigen Knaller erst in den Clubs des Nachtlebens aufzureißen waren. Aber die Ernüchterung war trotzdem groß.

Wir hatten uns extra die letzte Woche vor den Sommerferien in Deutschland ausgesucht.

Zum einen war das natürlich billiger, aber vor allem konnten wir so sicher sein, dass unser Hotel nicht mit tausenden von Familien mit Schulkindern überlaufen war.

War es auch nicht.

Das Publikum bestand aus drei gleichen Teilen: Rentner, Familien mit jungen noch nicht schulpflichtigen Kindern und Paare.

Singles waren weit und breit nicht zu erspähen. Und wenn eine Frau einigermaßen in unserem Alter war und zumindest etwas gut aussah, hatte sie einen Kerl an der Hand.

Etwas enttäuscht und auch Müde vom Flug und dem frühen Aufstehen, machten wir uns nach dem Frühstück also erst einmal daran, die Hotelbetten auszuprobieren.

Wir schliefen fast vier Stunden und fühlten uns hinterher noch geräderter, als vorher.

Tag 1 – Sonntag 14:30 Uhr

„Ich brauch jetzt Bewegung, sonst verpenne ich den gesamten Tag. Ich muss irgendwie wieder in Schwung kommen!“

stellte Tom fest.

Also erkundeten wir den Fitnessraum. Er war gut ausgestattet und wirklich nett angelegt. Die Geräte standen auf einer Art Empore über dem Spabereich, die komplett mit Glas verkleidet war.

Wenn man auf dem Fahrrad strampelte, oder auf dem Laufband Kilometer machte, konnte man also das bunte Treiben unter sich beobachten.

Die Wellnessanlage bestand aus zwei Gebieten. Unter dem Fitnessraum lag der Textilbereich. Hier gab es ein kleines Hallenbad, einige Duschen, ein Whirlpool, ein kaltes Tauchbecken, ein Dampfbad, eine Textilsauna und ein großzügiger Ruhebereich.

Durch eine große Türe ging es in den FKKbereich, den wir aber – logischerweise – von unserer Empore nicht einblicken konnten.

Wir erstellten uns gegenseitig ein kleines und gemeines Programm auf den Fahrrädern und legten los.

Was sich dann in der nächsten halben Stunde abspielte verschlug uns die Sprache.

Es begann ganz harmlos.

In den bis dahin leeren Wellnesbereich kam eine Frau.

Sie war eine Mischung aus Pink, Avril Lavinge und Joan Osbourne. Sie hatte breite Schultern, kurze schwarze Haare mit grünen und pinken Strähnchen und einen ordentlichen Vorbau. Sie trug einen schwarzen sportlichen Bikini und latschte breitbeinig in ihren Sportflipflops. An Beinen, Armen und auf dem Bauch waren zahlreiche Tatoos zu sehen, die Tribals und gotische Schriftzüge zeigten. Ihre Finger- und Fußnägel waren schwarz lackiert und sie hatte einen schwarzen Lippenstift, der zusammen mit dem schwarzen Liedschatten ihr fleischiges Gesicht einrahmte. Ich überlegte welche Bezeichnung für diese muskulöse Frau zutreffend war, als Tom leise

„Mannsweib!“

vor sich hin murmelte.

Er hatte den Nagel auf den Kopf getroffen.

Diese Frau war das Beste Beispiel für die Frauenarmut in unserem Hotel.

Nun kam mal eine ohne Mann und Kinder und war sogar im richtigen Alter und dann das. Ich wollte schon eine abfällige Bemerkung darüber zu Tom machen, als sich die Tür ein zweites Mal öffnete und mir das Wort im Hals steckenblieb.

In den Raum kam ein Wesen, das mich völlig in seinen Bann zog. Ich hörte sofort auf in die Pedale zu treten, mein Mund stand offen und ich konnte nur noch auf diese Wundervolle Frau starren.

Mit leichten federnden Schritten schwebte sie in rosa Flipflops in den Spa. Ihre zierlichen Füße gingen in wohlgeformte Beine über. Sie war schlank, aber nicht dürr. Ihr Neckholderbikini in sommerlichen Farben konnte nicht verbergen, dass ihre Brüste recht klein waren. Zwischen den grazilen Armen erhob sich ein feiner, aber stolzer Hals zu einem wunderschönen Gesicht. Sie hatte blonde Haare, die über der Schulter in einem kecken Bobhaarschnitt endeten.

Selbst auf die Entfernung und durch die Glasscheibe hindurch und obwohl sie mich gar nicht direkt ansah, verzauberten mich ihre strahlend grünen Augen.

Ihre ganze Aura ließ mich nicht mehr los und erst ganz langsam kam ich wieder in die Wirklichkeit zurück. Tom schien von meinem Aussetzer noch nichts mitbekommen zu haben, denn er strampelte immer noch auf seinem Fahrrad und kommentierte wie zu sich selbst die Szene unter uns.

„Na also, geht doch. Ist ja zumindest mal eine Frau dabei, mit der was laufen könnte. Vielleicht ist sie ja sogar solo, wenn sie mit ihrer Freundin hier ist. Da fällt mir gerade wieder dieses Sprichwort ein, dass jede hübsche Frau eine hässliche Freundin hat, über die man an sie ran kommt, weißt du Ben!? Ben? Hallo? Ben?“

Erst jetzt registrierte ich, dass er mit mir redete. Ich stammelte ein langgezogenes

„Jaaaaa!?“ vor mich hin, ohne meinen Blick von der Blondine zu nehmen.

Tom verstand sofort.

„Ach du Schande, da hat es dir aber eine angetan!? Dich hat es ja voll erwischt!“

Er machte eine Pause, in der ich sein Grinsen regelrecht hören konnte. Dann redete er weiter:

„Nein, nein, keine Sorge, ich werde sie dir nicht wegnehmen, ich bin ja ein guter Freund.

Ich hab sie zwar zuerst gesehen, aber bitte, ich sehe schon, du hast es nötiger.

Ist schon OK, du brauchst dich nicht dafür zu bedanken, das macht man doch so unter Freunden.

Ich mach das doch gerne für dich.

Aber das hat auch seine Grenzen.

Ich werde dir zwar den Vortritt lassen, aber ich werde nicht mit der hässlichen Freundin ausgehen, damit du freie Fahrt hast.

Soweit geht meine Freundschaft zu dir dann doch nicht.“

Tom wartete in seinem Monolog immer wieder auf eine Antwort von mir und ließ mir Pausen, in denen ich reagieren konnte. Aber ich war zu konzentriert damit, jeden Zentimeter dieser Traumfrau mit meinen Augen zu erkunden.

Und dann passierte es. Tom, der mittlerweile auch nicht mehr Fahrrad fuhr, hatte während seiner Rede die ganze Zeit zu mir rüber geschaut. Jetzt sah er die Veränderung in meinem Gesicht und folgte meinem Blick. Was wir beide sahen ließ Tom belustigt glucksen und brach mir gleichzeitig das Herz.

Die beiden Frauen standen neben dem Whirlpool und küssten sich!

Eine Welt brach für mich zusammen. Sollte ich mich zum ersten Mal in meinem Leben auf den ersten Blick verliebt haben und dann in eine Lesbe?

Kurz flackerte in mir die Hoffnung auf, dass es nur ein netter Kuss zwischen guten Freundinnen sein könnte. Doch nach nicht mal drei Sekunden flogen schon wild die Zungen durcheinander und es begann eine wilde Knutscherei.

„Tja, alter Freund, da hast du wohl Pech gehabt!“, kommentierte Tom die Entwicklung.

„Aber vielleicht haben wir ja noch Glück im Unglück. Ich glaube nämlich, dass uns die beiden noch nicht entdeckt haben. Womöglich bieten sie uns wenigstens eine gute Show.“

Tom hatte Recht. Die beiden Frauen gaben sich unbekümmert einander hin und hatten entweder nicht bemerkt, dass über ihnen der Fitnessbereich war, oder die Scheiben spielgelten von außen etwas und sie konnten uns nicht sehen.

Und sie dachten tatsächlich nicht daran, sich zurückzuhalten. Sie stiegen, ohne ihre Finger und Lippen voneinander zu lassen, zusammen in der Whirlpool, der aber, wie alle anderen Anlagen auch, erst um 15 Uhr eingeschaltet wurde.

Ohne die sonst so lästigen Luftblasen hatten Tom und ich freie Sicht auf das Geschehen über und unter Wasser.

Die beiden ließen sich ins warme Wasser gleiten und fummelten sofort wie wild an ihren Bikinis herum.

So nach und nach bildete sich aus dem Durcheinander eine Choreographie.

Die Schönheit übernahm die Führung und griff dem Rockgirl fest in den Nacken. Sie zog sie seitlich nach hinten auf ihre Oberschenkel und vergrub ihre andere Hand in der Bikinihose.

Wir konnten zwar nichts hören, aber an den Mundbewegungen war zu erahnen, dass die Tätowierte anfing zu stöhnen. Die kleine, schmale Hand der Blonden wirbelte wie wild unter Wasser und ihr Opfer begann sich rhythmisch zu krümmen. Die Schwarzhaarige wurde immer wilder, zuckte, verdrehte die Augen und gerade, als sie offensichtlich zum Höhepunkt ansetzte, ließ die Blondine ihren Blick durch den Raum schweifen. Sie blickte sich um, von rechts nach links und von unten nach… oben.

Tom und ich wagten nicht uns zu bewegen. Die Traumfrau im Whirlpool brachte ihre lesbische Freundin in diesem Moment zum Orgasmus und ihre Augen waren dabei auf mich gerichtet.

Tom sagte hinterher, ich hätte mir das nur eingebildet, aber in dieser Sekunde hatte ich das Gefühl, sie hätte mich gesehen, ja mich direkt angeschaut. Als ob sie uns provozierend zuflüstern wollte:
„Ich hab euch zwei da oben gesehen und habe diese Show nur für euch veranstaltet!“

Tom erklärte mich für verrückt, aber er hatte ja auch ihren Blick nicht gesehen. Direkt auf mich gerichtet!

Und während ich noch lange den Adrenalinausstoß in meinem Körper spüren konnte, war er recht schnell wieder locker. Er begann imaginär auf die beiden unter uns einzureden:

„So kleine Lesbe, jetzt gönne uns aber auch noch die Kür. Ist ja ganz nett, dass du deine Liebste so schon verwöhnt hast, aber jetzt würde ich ja zu gern noch was von dir sehen. Tauscht doch mal die Rollen ihr Süßen.“

Seine Ansprache war zwar lächerlich aber in diesem Moment war ich voll auf seiner Seite.

Ich wollte auch unbedingt diese zierliche Traumfrau in Aktion erleben. Aber ich war mir sicher, dass uns dieser Anblick versagt bleiben würde. Ich war davon überzeugt, dass Blondie von uns gesehen hatte und ich glaubte nicht, dass sie sich selbst als Hauptperson präsentieren würde.

Wir erfuhren leider nicht, wie weit sie gegangen wäre. Denn allmählich ging es auf 15 Uhr zu und gerade, als sich die Schwarzhaarige ihren Bikini wieder einigermaßen gerichtet hatte, kamen die ersten echten Saunagäste in den Wellnessbereich.

„Schade“, seufzte Tom und schaute zu mir rüber. Erst jetzt bemerkte er meinen apathischen Blick. Er gab mir einen Schubs und fing an zu lachen.

„Na, wenn da mal nicht einer einen mächtigen Ständer hat!?“

Ich wurde langsam wieder in die Realität zurückgeholt und musste zugeben, dass Tom Recht hatte.

„Stehst du auf Lesben? Oder auf starke Frauen?“

Ich schaute ihn verständnislos an.

„Nein das ist es nicht, oder? Ist es die Kleine? Manmanman, da hat es dich aber echt erwischt Kumpel. Ich würde sagen du brauchst jetzt mal ne kalte Dusche!“

Duschen war wirklich eine gute Idee, aber ich hatte gar keine Lust mich kalt abzuspritzen und meine Lust runterzuholen. Stattdessen ließ ich mich schön warm berieseln und holte mir einen runter. Dabei spielte sich vor meinem inneren Auge die Szene aus dem Whirlpool noch einmal ab. Aber dieses Mal war die blonde Schönheit in Aktion und unter ihr saß… ich.

Tag 1 – Sonntag 15:30 Uhr

Nach der entspannenden Dusche legten wir uns am Pool in die Sonne. Wir hörten Musik, lasen die Zeitschriften aus dem Flugzeug und dösten noch die ein oder andere Runde. In einer dieser Ruhephasen wurde ich jäh durch einen üblen Ellenbogencheck in die Rippen geweckt.

„Volltreffer auf 9 Uhr!“ raunte Tom mir zu.

Ich hob meinen verschlafenen Blick und schaute nach rechts.

Eine blutjunges Mädel tapste etwas unelegant an uns vorbei.

Sie war ziemlich groß, bestimmt fast eins achtzig, hatte eine lange wallende Mähne aus dunkelbraunem Haar, die sich in Wellen um ihre nackten Schultern legte und war verdammt braun gebrannt.

Sie trug einen schwarzen Bikini mit dünnen Trägern, auf denen braune Holzperlen aufgereiht waren.

Der Stoff hatte Mühe die einladenden Kurven ausreichend zu verdecken.

Was aber nicht daran lag, dass es zu wenig Stoff gewesen wäre, eher zu knackige Kurven.

Das Haar war mit einer großen Sonnenbrille aus dem Gesicht gehalten, die fesch auf dem Wuschelkopf steckte. Das Mädchen klapperte mit ihren Flipflops direkt an uns vorbei und drehte dabei ihren Kopf.

Jetzt verstand ich was Tom meinte. Sie hatte ein hübsches, ja richtig niedliches Gesicht und verführerische Rehaugen, die von langen dunklen Wimpern und vollen Augenbrauen zur Geltung gebracht wurden.

Ein paar Meter vor uns blieb sie am Poolrand stehen und lächelte unschuldig in unsere Richtung.

Dabei blitzen ihre Augen kurz auf und neben ihren Mundwinkeln bildeten sich süße Grübchen.

Jetzt war es Tom, um den es geschehen war.

Während ich zurücklächelte und ihr charmant zunickte, starrte Tom wie ein Idiot mit ausdruckslosem Gesicht. Ich versuchte für ihn mitzulächeln und setzte noch ein kurzes Winken obendrauf. Und tatsächlich winkte sie, ein wenig zu ausladend, zurück.

Gerade wollte ich sie Ansprechen und damit zu uns locken -mir war klar, dass Tom im Moment nicht dazu in der Lage war – als ich hinter uns rufe hörte.

„Anna, nicht so schnell. Du kannst doch deinen alten Eltern nicht so davonlaufen.“

Ihr Lächeln erstarb und wich einem genervten und ungeduldigen Gesichtsausdruck. ,

Offensichtlich hatte das Winken nicht uns gegolten, sondern ihren Eltern

Wir mussten nicht lange warten, da kamen die Rufer rechts von uns ins Blickfeld. Es waren eine immer noch sehr hübsche Frau in den Vierzigern und ein etwas untersetzter, südländischer Mann mit Oberlippenbart im selben Alter.

Das Mädchen war mir gleich so jung vorgekommen und nachdem sie mit ihren Eltern weitergezogen war, fing ich meinerseits an, mich über Tom lustig zu machen.

„Na die ist wohl noch ein bisschen jung für dich, oder? Du willst doch nicht ins Gefängnis wegen Kindesmisshandlung? Und schon gar nicht in Spanien. Willst du dich etwa mit ihr treffen? Ihr Eltern werden ihr Hausarrest geben und dich verklagen.“

Es tat gut ein wenig Rache für die Geschichte im Fitnessbereich zu bekommen. Aber allzu lange spielte ich dieses Spielchen nicht, denn ich merkte schnell, dass es Tom wirklich getroffen hatte.

Tag 1 – Sonntag 22:00 Uhr

Nach dem Abendessen hatten wir dann doch keine Lust mehr mit dem Wagen loszufahren und Clubs abzuchecken.

Etwas Träge von dem langen und in großen Teilen verbummelten Tag schafften wir es gerade noch in die Panorama Bar auf dem Dach des Hotels.

Hier trafen sich junge Eltern, die die Kinder im Bett hatten und die wenigen Stunden ihres Urlaubs zu zweit genossen und kinderlose Paare, die einen Abend Pause von der großen Party machten.

In netter Atmosphäre genossen wir die stilvolle Livemusik und vernichteten eine beachtliche Menge Cocktails.

Wir unterhielten uns gut und natürlich kam unser Gespräch, neben dem Hotel, dem Auto, unseren Plänen für die Woche und vielen anderen Dingen auch immer wieder auf die beiden Frauen.

Meine schöne unbekannte, so klein und zierlich, hübsch, aber leider auf denkbar beschissenste Weise vergeben. Und Toms Anna, die mit ihren Eltern hier war und höchstens 16 sein konnte. Und trotz der interessanten Themen hatte ich immer wieder das Gefühl Tom sei irgendwie abwesend. Als ob hinter mir ein Fernseher mit einer Liveübertragung eines Fußballspiels lief.

Erst als ich Altcocktails entsorgen war und auf dem Rückweg in Toms Blickrichtung sehen konnte, wurde mir klar, was ihn so ablenkte. Hinter einen Pfosten, einige Tische weiter tauchte immer wieder, frech und unbekümmert ein wilder Pferdeschwanz aus braunen Locken auf.

„Ob sie wohl mit ihren Eltern hier ist?“ stichelte ich drauf los.

„Nein ist sie nicht, ihr gegenüber sitzt ein Typ!“ giftete Tom etwas gereizt zurück.

„Mh, ob die einen Freund dabei hat? Oder sich hier einen angelacht hat? Vielleicht ist es ja auch ihr Onkel?“ ich musste grinsen, aber Tom war wohl nicht zum Lachen zumute.

Ich setzte mich neben Tom und beobachtete, was es hinter dem Pfosten zu sehen gab.

Wir bemerkten, dass das Gespräch der beiden langsam rauer wurde. Zwar konnten wir keine einzelnen Worte verstehen, aber wir hörten es am Tonfall der beiden.

Dann schließlich sprang Anna wütend auf. Ihr Stuhl machte einen Satz nach hinten und sie stapfte wütend aus der Bar in Richtung Dachterrasse.

Als sie den Raum verlassen hatte, kam der Kerl hinter dem Pfosten vor. Er ging an uns vorbei Richtung Treppenhaus und ich konnte auf seinem T-Shirt „Animation“ lesen.

„Mach dir keine Sorgen, mein Freund. Der Typ, mit dem sie hier war, ist ein Animateur aus dem Hotel. Einen festen Freund hat sie also anscheinend nicht. Zumindest nicht hier im Urlaub dabei. Vielleicht ist sie ja auch noch zu jung für so was.“

Meine Worte beruhigten Tom ein wenig, obwohl ich mir die letzte spitze Bemerkung nicht verkneifen konnte. Er gestand mir, dass er sich wirklich ein bisschen in die Hübsche verguckt hatte und wir versenkten unseren Frust über unsere unerwiderten Gefühle in weiteren Cocktails.

Die Bar hatte sich mittlerweile ziemlich gefüllt und wir saßen immer noch nebeneinander an einem Vierertisch. Deswegen wurden wir von der Frage völlig überrumpelt, die von hinten an uns gerichtet wurde:

„Ist bei euch noch frei?“

Ausgerechnet die beiden Whirlpoollesben überraschten uns mit dieser Anfrage.

„Irgendwie sind alle Tische besetzt und bei euch sind noch zwei Plätze. Ich meine ihr seid zwei Jungs und wir zwei Mädchen, da gewährt ihr uns doch sicher Asyl, oder?“

Jetzt war es wieder an Tom uns zu retten. Mir hatte es die Sprache verschlagen, als die beiden uns umrundet hatten und vor uns standen.

„Klar, setzt euch doch! Für angenehme Gesellschaft sind wir immer zu haben, oder Ben?“

Ich wünschte er hätte sich das Zuzwinkern gespart.

Ich schaffte es mit viel Selbstbeherrschung nicht wie ein Teenager rot zu werden.

Ich versuchte die blonde Schönheit so wenig wie möglich anzustarren. Das gelang mir nur leidlich, aber es half, wenn ich mich auf den schwarzhaarigen Muskelprotz von Freundin konzentrierte.

Nach ein paar Minuten des Ankommens hatte ich mich auch wieder voll im Griff und es entwickelte sich eine angeregte Unterhaltung.

Tom und ich machten gentlemanlike den Anfang und gaben zuerst unsere Geschichte preis. Als wir grob erklärt hatten, wer wir waren und was wir hier machten, tauten die beiden Mädchen auf und erzählten uns ebenfalls von sich.

Meine angebetete Schönheit hieß Nina, ihre Freundin ließ sich Trixi nennen. Als sie uns ihre lesbische Beziehung offenbarten, taten wir einigermaßen überrascht. Wir wollten ja nicht verraten, dass wir schon Bescheid wussten. Und doch war es mir, als Nina ein wenig in sich hinein lächelte, als wir – nicht übertrieben – aber doch deutlich zum Ausdruck brachten, dass wir das nicht erwartet hätten.

Wir tranken noch einige Cocktails zusammen und unsere Zungen lockerten sich zusehends. Das heißt eigentlich nur die von Nina, Tom und mir. Trixi wurde mit der Zeit immer stiller und grimmiger. Sie schickte immer wieder böse Blicke zu Nina und wurde mir gegenüber regelreicht feindselig. Nina tat, als würde sie es nicht merken und erzählte munter weiter.

Sie hatte in Heidelberg bei einer Bank mithilfe der Berufsakademie einen hervorragenden Abschluss gemacht und war innerhalb von wenigen Jahren zur Leiterin einer kleinen Filiale aufgestiegen.

Vor meinem inneren Auge sah ich Nina mit Stöckelschuhen und einem eng anliegendem Kostüm durch eine moderne Bankvorhalle klackern. Mir gefiel, was ich sah. Fast hätte ich den Faden verloren, schaffte es aber noch rechtzeitig, mich wieder auf die Nina in T-Shirt und kurzem Rock zu konzentrieren, was durchaus auch ein verlockender Anblick war.

Trixi und Nina waren nun schon seit 5 Jahren ein Paar und es fiel mir nicht schwer, mir auszumalen, welche von den beiden den „männlichen Part“ in der Beziehung spielte. Es war echt ein Jammer. Nina war viel zu perfekt, um sie der Männerwelt vorzuenthalten.

Trixi redete nun überhaupt nichts mehr und auch ihre seltenen Kommentare waren nur noch grummelnde Brummlaute.

Am schlimmsten wurde es, als das Gespräch auf Trixis Beruf kam. Nina witzelte ironisch:

„Trixi will einmal ein großer Rockstar werden. Pink ist ihr großes Vorbild!“

Tom rutschte ein leises „Das sieht man“ raus, aber außer mir hatte es zum Glück keiner gehört. Nina trieb es auf die Spitze:

„Sie spielt Gitarre und Schlagzeug und hat sich extra einen Künstlernamen ausgedacht. Wie findet ihr Trixiii?“ Sie zog das letzte „i“ höhnisch in die Länge.

Mir entglitt ein „geht so“ und hatte dabei nicht Toms Glück. Mein Kommentar wurde gehört. Trixi lief rot an und ich befürchtete ihr Kopf könnte platzen. Sie warf mir einen tödlichen Blick zu und wandte sich dann wieder Nina zu.

Wütend stand sie auf und zischte Nina zu: „Komm mit, wir klären das draußen!“

Nina schaute sie sitzend von unten an und grinste leicht beschwipst.

„Weißt du Schatz, wie wär‘s, wenn du schon mal vorgehst und ich komm dann nach. Sagen wir in 2-3 Stunden!?“

Das war zuviel für Trixi. Sie stampfte furchterregend auf, fauchte „Das wirst du noch bereuen!“ in Ninas Richtung und verließ wutentbrannt die Bar.

Am Tisch herrschte betretenes Schweigen. Nina starrte ins Leere und Tom und ich versuchte die peinliche Situation irgendwie zu vertreiben, aber uns fiel nicht ein wie. Ich setzte gerade an Nina zu fragen, ob wir ihr helfen könnten, da kam mir der Zufall zu Hilfe. Anna betrat die Bar durch die Terrassentür.

Ich schaltete geistgegenwärtig, als ich sah, dass sie sich an der Bar einen Caipriniha geholt hatte und mit ihren Augen den Raum nach einem freien Platz durchforstete.

Mit einem kleinen Wink und einem charmanten Lächeln lotste ich sie zu uns an den Tisch. Vermutlich wäre sie nicht gekommen, wenn ich mit Tom alleine dagesessen hätte, aber zu zwei Jungs, die mit einem Mädchen dasaßen, konnte man sich ja mal dazusetzen.

Wie ich erwartet hatte, war sie sowieso auf der Suche nach Gesellschaft. Sie hatte sich wohl nach ihrem Streit ausgiebig abgekühlt und nachgegrübelt und suchte jetzt nach Zerstreuung.

Nina warf mir einen dankbaren Blick zu, als sie Anna kommen sah. Ich hatte eine völlig neue Situation geschaffen und sie konnte jetzt ihre Auseinandersetzung mit Trixi erst mal verdrängen. Nur Tom schaute mich an, als hätte ich nicht mehr alle. Aber in Wirklichkeit war er mir auch dankbar, das wusste ich. Er konnte es nur im Moment vielleicht nicht so recht zeigen.

Anna erreichte unseren Tisch und mit einem Lächeln und ihrer jungen unschuldigen Art wischte sie die peinliche Stille zwischen uns weg.

„Es ist ja brechend voll hier. Danke, dass ihr mich in eurer Runde aufnehmt. Ich bin Anna.“

Sie sah wirklich bezaubernd aus. Im Gegensatz zum Nachmittag hatte sie ihre braunen Haare jetzt in einen voluminösen Zopf gebunden, der frech von ihrem recht großen Kopf anstand. Ihre Schönheit wurde durch ihre rehbraunen Augen und einem Schönheitsfleck schräg über ihrer Lippe vervollständigt.

Wir stellten uns kurz vor du ich beschloss in die Offensive zu gehen.

„Na, hast du dich wieder etwas abgekühlt?“

Anne brauchte einen Moment, bis sie verstand, was ich meinte, dann lief sie leicht rötlich an und fragte kleinlaut:

„Habt ihr das mitbekommen?“

„War nicht zu überhören.“

Nina hatte von all dem ja noch nichts mitbekommen und fragte neugierig:
„Du hast dich auch gestritten? Mit wem denn?“

„Ach mit so nem blöden Animateur! Erst baggern sie dich an wie blöd, und wenn du dann ein bisschen mehr willst, ne schnelle Nummer oder so, dann blocken sie stur ab!“

Anscheinend hatte auch sie schon ein wenig erhöhte Umdrehung, so offen wie sie sprach. Nina klärte sie auf.

„Ach Kleine, das ist doch nichts Persönliches. Die dürfen das einfach nicht. Wenn die Hotelleitung das erfährt, sind die Animateure ihren Job los. Und sie sind darauf angewiesen, dass sie hier Geld verdienen können.“

„Außerdem ist sogar in Spanien Sex mit Minderjährigen eine Straftat.“

Alle starrten Tom an. Bis jetzt war er still und starrend am Tisch gesessen und hatte schweigend vor sich hin geschmachtet. Ich gönnte ihm seine Genießerphase und hatte ihn deshalb nicht ins Gespräch einbezogen. Jetzt hatte er sich selbst eingeschaltet und gleich einen Volltreffer gelandet. Er kam mir vor wie Obelix vor Fallbala. Erst sagte er Minutenlang nichts und dann das Schlimmste, was man sich vorstellen kann. Es war fast so als ob ihm eine Stimme in seinem Kopf zugeflüstert hätte: „Du darfst jetzt auf keinen Fall was über ihr Alter sagen! Sag bloß nichts über ihr Alter!!!“, und er die Eingebung irgendwie falsch interpretiert hatte.

Nach kurzem Schock wanderten Ninas und mein Blick zu Anna. Ihr stand immer noch der Mund ungläubig offen. Dann stand sie wie ferngesteuert auf, nahm ihr leergetrunkenes Caipirinhaglas, ging um den Tisch und schüttete dem wie angewurzelt sitzenden Tom die ausgestampften Limetten mit dem übrigen Eis und Zucker auf den Kopf. Wortlos setzte sie sich wieder hin und sagte mit ruhiger Stimme wie beiläufig:

„Ich bin 19!“

Nina und ich schauten uns an und prusteten los. Kurz danach stimmte auch Anna in unser Lachen ein und schließlich schloss sich Tom ebenfalls an. Mag sein, dass wir durch den Alkohol etwas albern waren, aber diese Szene hätte ich mich auch in nüchternem Zustand kaputtgelacht. Wir brauchten fast 5 Minuten, bis wir uns wieder einigermaßen einkriegten. Während Tom versuchte die Limetten- und Zuckerreste aus seinen Haaren zu bekommen, beschloss ich ihm ein wenig zu Hilfe zu kommen und versuchte zu erklären:

„Wir haben dich heute am Pool mit deinen Eltern gesehen. Du bist nicht gerade ladylike an uns vorbeigetapst und wurdest von deiner Mama gerufen. Was würde das für dich für ein Bild ergeben?“

„Ist ja gut, ich werde oft jünger geschätzt. Und mit 19 sollte man wirklich nicht mehr mit seinen Eltern in Urlaub fahren, das sehe ich ja ein. Das war auch alles nicht so geplant. Eigentlich wollte ich mit Eiko in Urlaub fahren, meinem Freu… äh, Ex-Freund. Wir haben uns vor zwei Monaten getrennt. Nach drei Jahren Beziehung! Wir waren an der Schule so was wie das Oberstufentraumpaar. In Amerika wären wir wahrscheinlich Ballkönige geworden. Und weil mein Vater so ein Familienmensch ist und immer nur das Beste für seine kleine Tochter will – und natürlich auch immer weiß, was das Beste für sie ist – hat er, ohne mich zu fragen einen Familienurlaub gebucht. Damit ich das alles vergessen kann und wieder zurück in die Arme der Familie finde.“ Ihre Worte trieften nur so vor Ironie und Beim letzten Satz ließ sie ihre Stimme rau und heißer kratzen.

„Klingt fast wie in ‚der Pate‘, wenn du das so sagst.“ kommentierte ich.

„Si! Wir sind Italiener, zumindest zur Hälfte. Mein Vater stammt aus Italien, gestatten, Anna Cantone, mein Name.“

Sie machte einen angedeuteten Knicks mit dem Oberkörper.

„Ich mag italienische Autos“

Langsam wurde Tom warm.

„Ja klar, Ferrari, Lamborghini, Maserati, die mögen alle Männer.“ kommentierte Anna gelangweilt.

„Nein nicht die. Die Normalen! Fiat und Alfa Romeo zum Beispiel.“

Ich musste grinsen. Da hatte Tom doch eine Gemeinsamkeit mit Anna gefunden und sich sofort drauf gestürzt. Der Versuch ging allerdings nach hinten los.

„Waas? Diese Schrottkisten? Was bist du denn für einer? In dem Punkt bin ich echt froh, dass ich in Deutschland lebe. Sogar mein Vater schwört auf deutsche Autos, wir fahren Mercedes. Fiat und Alfa Romeo ist doch rollendes Altmetall!“

Tom machte eine Verbeugung.

„Gestatten, Tom Waage. Angehender Geschäftsführer des größten Fiat und Alfa Romeo Autohauses im Großraum Bonn. Aber für sie auch gerne nur ein Schrottplatzchefchen.“

Jetzt war es an Anna peinlich berührt zu sein. Mir kam eine Idee, wie ich ihre Spontanität und Selbstironie testen konnte. Ich schob ihr ein leeres Caipirinhaglas zu, das Nina einige Zeit zuvor geleert hatte und das noch auf dem Tisch stand. Zu meiner positiven Überraschung verstand sie den Wink. Sie nahm die Limetten und den restlichen Zucker aus dem Glas und schmierte sie sich mit der Hand in ihre Haare.

Nina, Tom und ich lachten laut los und nachdem Anna überzeugend und lange genug die Selbstbeleidigte gespielt hatte, kicherte sie mit.

Wir hatten eine Menge Spaß miteinander und lachten viel zusammen. Wir redeten über unsere Wohnorte, Ausbildungen, Berufe und natürlich Beziehungen. Es schien, als ob Tom darauf gelauert hätte, denn sobald sich die Gelegenheit bot, streute er so unauffällig wie möglich eine Frage an Anna ins Gespräch ein, die ihm auf der Seele zu brennen schien.

„Warum habt ihr euch getrennt?“

Anna bemerkte Toms ernsthaftes Interesse nicht und beantwortete die Frage ohne Bedenken.

„Eigentlich hab ich Schluss gemacht. Es gab keinen konkreten Anlass oder so. Er ist nicht fremdgegangen, war auch eigentlich echt gut zu mir und im Bett war er auch ganz nett.“

„Nett ist die kleine Schwester von Scheiße“, warf Nina ein.

„Ja, vermutlich war es das Problem. Er war zu nett. Einfach so gewöhnlich und irgendwie zu langweilig. Er hatte keine klare Meinung, machte immer nur, was ich wollte, er war irgendwie…“

„Einfach nicht genug Mann für dich.“ sagte Tom leise, fast unbewusst vor sich hin.

Anne starrte ihn wie vom Blitz getroffen an. Tom hatte seinen Kopf gesenkt und merkte es gar nicht. Aber Nina und ich konnten in Annas Augen lesen, dass sie dieser Satz tief getroffen hatte. Sie nickte nachdenklich vor sich hin und wiederholte flüsternd: „Einfach nicht genug Mann für mich!“

Nach einer Zeit des Schweigens wurde Nina die Pause zu lange. Vermutlich musste sie an ihren Streit mit Trixi denken und hatte keine Lust sich runterziehen zu lassen. Deswegen brachte sie das Gespräch neu in Gang, konnte sich dabei aber nicht von ihrem inneren Thema losreisen:

„Besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!“

„Wie meinst du das? Moment mal! Du hast vorhing gefragt, ob ich mich ‚auch‘ gestritten hätte? Steckst du gerade in einer Beziehungskrise?“

‚Aufmerksames Mädchen, diese Anna‘, dachte ich und hoffte, dass sie vielleicht aus Nina locken konnte, was wir beide Männern nie geschafft hätten. Nina wurde vermutlich durch die Mischung aus Annas Offenheit und dem Alkohol beflügelt, denn dann erzählte sie uns ihre Geschichte.

Sie war nach einigen Heterobeziehungen so von den Männern enttäuscht gewesen, dass sie bei Trixi gelandet war. Anfangs lockte sie das Neue, das Verruchte, aber der Zauber verflog schnell. Schon nach wenigen Monaten sehnte sich Nina wieder nach der Befriedigung, die ihr nur ein Mann geben konnte, aber Trixi war in dieser Zeit psychisch sehr instabil und Nina hatte Angst sie zu verlassen. Außerdem bekam sie von Trixi das Gefühl wirklich gebraucht zu werden, was ihr eine Zeit lang gut tat.
Doch nach und nach wurde aus der zaghaften Bitte um Hilfe eine regelrechte Forderung. Außerdem kam eine psychische und finanzielle Abhängigkeit dazu. Trixi brachte nichts zustande, während Nina immer erfolgreicher wurde. Deswegen setzte die „Schwache“ die „Starke“ immer heftiger mit Drohungen unter Druck und schaffte es ihr schlechtes Gewissen zu manipulieren. <
Mittlerweile waren sie schon so lange Zeit zusammen, dass Nina nicht dem Mut aufbrachte die Beziehung zu beenden. Stattdessen hatte sie – natürlich aus eigener Kasse – diesen Urlaub bezahlt und vorgeschlagen, dass sie Beide versuchen sollten ihre Partnerschaft auf diesem Wege zu retten. Nun waren sie schon eine knappe Woche da und Nina bekam immer größere Zweifel, ob sie beide eine Zukunft hätten.

„Wow, dagegen ist meine Geschichte ja Kindergarten.“ staunte Anna. Ich sollte froh sein, dass ich aus der Sache raus bin.

Die Stimmung war wieder etwas beklommen, aber dieses Mal wussten Tom und ich eine Lösung. Ein Blick genügte und wir wussten beide, dass wir dieselbe Idee hatten. Tom begann das Schauspiel.

„Dein Leben ist vielleicht Kindergarten dagegen, aber gegen unser Schicksal hat es Nina noch gut erwischt.“

Er klang dabei erschreckend ehrlich und bemitleidenswert. Ich sprang auf den Zug auf.

„Wenn ihr wüsstet, welches Drama sich in unserem Leben abspielt, würdet ihr glücklich sein mit eurem Leben.“ Das war schon fast zu viel, aber die Mädchen schluckten den Köder.

„Warum, was ist denn euer Schicksal?“ fragte Anna und Nina begann zu mutmaßen:

„Wurdet ihr auch verlassen? Vielleicht sogar betrogen?“

„Schlimmer!“

Anna erschrak. „Seid ihr vielleicht schwul und könnt euch wegen euren strengen Familien nicht outen?“

Tom verzog das Gesicht und ich konnte mir ein grinsen nur mit Mühe verkneifen.

„Oder seid ihr Impotent und träumt von einer eigenen Familie?“ setzte Nina noch einen drauf.

Jetzt war es an Tom sich am Riemen zu reißen. Ich ahnte, dass er die Pointe nicht bis zum Ende bringen würde, deswegen sprang ich ein:

„Wir sind auf der endlosen Suche nach der Richtigen. Jeden Morgen erheben wir uns aus einem anderen Bett, neben einer anderen Frau, schleichen uns aus dem Haus und zerbrechen fast an dem inneren Schmerz, weil wir die Richtige einmal mehr nicht gefunden haben. Welch schweres Schicksal.“

Die Mädchen schauten völlig entgeistert und Tom war es zu viel. Er prustete los und auch ich konnte mich nicht mehr halten. Erst jetzt verstanden Nina und Anna die Ironie. Beide fingen an mitzulachen aber Nina fischte gleichzeitig einen Eiswürfel aus ihrem Cocktail und warf ihn nach mir.

„Ihr Schufte! Ich schütte euch mein Herz aus und ihr macht euch über mich lustig.“

Das Lachen verebbte langsam und Tom meinte:

„Na ganz so lustig ist das auch nicht. Wir sind wirklich beide Single und wünschen uns ehrlich eine Frau, die mit uns unser Leben und unsere Vorlieben teilt.“

Es klang eine Spur ernster als er es vermutlich sagen wollte und die Stimmung wurde schlagartig wieder ruhiger.

„Vorlieben?“ bohrte Anna nach.

Hoppla, jetzt wurde es eng. Schlagartig schüttet mein Körper Adrenalin aus und ich war sofort total nüchtern.

„Naja, jeder hat ja so seine Wünsche und Träume“ versuchte ich Toms Bemerkung etwas abzuschwächen.

„Und da ist es doch schön, wenn man sie mit der Frau, mit der man durchs Leben geht teilten kann, oder?“

„Das klingt wirklich romantisch.“ Nina klang nachdenklich und irgendwie abwesend.

„Aber wenn du nicht deinen Traum lebst, sondern den eines anderen, kannst du nicht glücklich werden.“

Sie machte eine Pause, aber keiner traute sich, etwas zu sagen. Wir spürten, dass sie noch nicht fertig war.

„Trixi und ich leben auch einen Traum. Aber nicht meinen, sondern ihren. Sie will Rockstar werden und kümmert sich um nichts anderes. Ich sorge für das Geld, die Wohnung, das Essen und dass sie sexuell befriedigt wird. Und das ist nicht einfach, sie steht nämlich auf BDSM.

Tom und ich rissen die Augen auf. Zum Glück achteten die Mädchen geraden nicht auf uns, denn wir saßen da, wie vom Blitz getroffen.

Anna fragte naiv: „BDSM? Was bedeutet das?“

Nina lächelte liebevoll. „Das ist eine Abkürzung für Bondage, Dominanz, Sadismus und Masochismus.“

Als Anna immer noch verdattert guckte musste Nina kurz auflachen.

„Ach Süße du bist ja herrlich unverdorben. Das ist so was wie Fesselspiele, Auspeitschen, Unterwerfen, Beherrschen und so Sachen. Wie die ‚RUF! MICH! AN!‘ Werbung im Fernsehen“

Tom und ich waren immer noch nicht in der Lage wieder ins Gespräch einzusteigen. Mit bedeutungsvollen Blicken sahen wir uns an und wussten nicht, wie uns geschah. Da saßen zwei echt schnuckelige Frauen vor uns und plauderten über BDSM. Natürlich waren wir alle leicht angetrunken, aber da ist man ja bekanntlich ehrlich.

Anna fing langsam an Nina zu verstehen. Ich konnte ihren Blick nicht deuten. Oberflächlich sah es aus wie Ekel, aber in ihren Augen flimmerte etwas. Vielleicht war es nur gewöhnliche Neugier, es konnte aber auch mehr sein. Ihre Worte waren wesentlich eindeutiger:

„Das ist ja abartig!“

„Findest du?“ blieb Nina ruhig. „Ich finde, jeder sollte tun, was ihm gefällt.“

„Nur dass dir deine Rolle in dem ganzen nicht zu gefallen scheint.“ forschte Tom nach.

Nina sah ihn gedankenvoll an: „So könnte man es ausdrücken.“

Anna war verwirrt. Sie hatte wohl nicht erwartet, dass wir beide so wenig über Ninas Offenbarung überrascht waren. Sie wollte uns wohl gerade hinterfragen, aber ich kam ihr zuvor.

„Welche Rolle hast du denn?“

Ich hielt mich nicht damit auf, mich dafür zu entschuldigen, dass ich so intime Fragen stellte. Wir waren jetzt am Knackpunkt des Gespräches und ich demonstrierte intuitiv Stärke. Ich ließ Nina gar nicht die Möglichkeit sich zurückzuziehen. Sie machte auch keine Anstalten dazu. Und trotzdem gab sie keine klare Antwort.

„Was denkt ihr denn, welche Rolle ich habe?“

Dabei wand sie sich nur an Tom und mich. Anna war völlig außen vor und sie traute sich auch nicht irgendetwas zu sagen. Wie ein Kind, wenn sich Erwachsene unterhalten.

Tom beantwortet die Frage:

„Wenn ich mir euch beide so ansehe, dann würde ich tippen, dass du die Devote bist und Trixi die Dominante. Du kümmerst dich um alles, trägst die gesamte Verantwortung und musst dann auch noch die gehorsame Sklavin spielen. Das geht dir gegen den Strich.“

Nina wollte Antworten, aber ich ließ sie nicht. Irgendetwas in ihren Augen hatte mir verraten, dass Tom Unrecht hatte. Ich hob kurz meine Hand und signalisierte damit Nina, dass sie noch nicht Antworten durfte. Erleichtert stellte ich fest, dass sie auf mich hörte und mein Verdacht bestätigte sich.

„Mein lieber bester Freund Tom. Ich schätze deinen Rat und dein Wissen sehr, aber diesmal liegst du falsch. Ja, Nina muss nicht nur ihr Leben, sondern auch das von Trixi organisieren. Ja, sie trägt die komplette Verantwortung. UND dazu muss sie auch im Bett noch die Initiative ergreifen. Alles hängt an ihr, sogar der Sex. Und sie wünscht sich nichts sehnlicher, als sich einmal fallen zu lassen, als eine Schulter, an der sie nicht stark sein muss, als einen Mann, der ihr ihre Last abnimmt und der ihr genau sagt was sie tun muss.

Sie wünscht sich jemand, der sie führt. Sie wünscht sich von Herzen, selbst einmal Sklavin zu sein.“

Es war raus. Ich hatte alles auf eine Karte gesetzt. Jetzt würde sich zeigen, ob ich alles gewinnen würde, oder schon alles verloren hätte, bevor es überhaupt eine Chance hatte, sich zu entwickeln.

Aus dem Augenwinkel merkte ich, wie sich Anna empörte. Sie zog die Luft lautstark ein und hätte wohl am liebsten zu einer Schimpftirade nach italienischem Vorbild angesetzt, aber sie spürte wohl genau wie ich die besondere Spannung, die über unserem Tisch schwebte. Selbst Tom schien neben mir unruhig zu sein, aber all das war mir egal. Ich konzertierte mich nur auf Nina und schaute ihr dabei tief in die Augen. Ich glaubte in ihr eine Sehnsucht zu sehen, die ich mit meinen Worten getroffen und an die Oberfläche geholt hatte. Ich war gespannt auf ihre Antwort. Tränen stiegen in ihre Augen und ich wurde etwas unsicher. Hatte ich sie doch verletzt? Ich erfuhr es an diesem Abend nicht mehr. Denn Nina stand langsam und in sich gekehrt auf, presste ein „Danke für den wundervollen Abend“ heraus und ging.

Wir blickten ihr hinterher, bis sie die Bar verlassen hatte, dann platze Anna.

„Du chauvinistisches Arschloch. Du kannst doch mit einer Frau nicht so reden. Was fällt dir eigentlich ein?“

Auch Tom bedrängte mich:

„Das war wirklich ein wenig zu hart, alter Freund.“

Aber ich kümmerte mich nicht um die Beiden. Einen Augenblick hatte ich in Nina gesehen, dass ich Recht hatte. Und an diesem Augenblick hielt ich mich verzweifelt fest.

Nach und nach beruhigten sich Anna und Tom wieder und unser Gespräch glitt wieder in den Smalltalk ab. Aber sowohl mit meinen Gedanken, als auch mit meinem Herzen war ich nicht in der Bar, sondern bei Nina.

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